ADHS bei Pflegekindern
Bei ihrem Pflegekind wurde ADHS diagnostiziert. Was nun?
Der Alltag mit einem Kind mit ADHS ist nicht leicht. Das Verhalten des Kindes führt oft zu familiären Konflikten oder Problemen in der Schule. Daher ist es völlig normal, dass Eltern überfordert, gereizt oder wütend reagieren. Wichtig ist, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass sich das Kind nicht absichtlich so verhält. Sie und Ihr Pflegekind können lernen, mit der Störung umzugehen.
In diesem Artikel finden Sie hilfreiche Tipps für den Alltag mit ADHS.

Stehen Sie zu ihrem Pflegekind
Ihr Kind ist durch die vielen negativen Reaktionen aus seinem Umfeld verunsichert. Es benötigt Ihre Akzeptanz mehr als alles andere. Machen Sie ihm Mut, Dinge, mit denen es kämpfen muss, anzugehen, und ermutigen Sie es, trotz der Schwierigkeiten nicht aufzugeben.
Strukturierter Tagesablauf
Ein geregelter Tagesablauf mit festen Essens- und Schlafzeiten ist speziell für Kinder mit ADHS enorm wichtig. Das gibt dem Kind Orientierung und einen Überblick über seinen Alltag.
Das gemeinsame Frühstück am Morgen kann als Ausgangspunkt für den Start in den Tag dienen und dem Kind helfen, sich auf die nächsten Abläufe einzustellen. Zusätzlich können feste Rituale, wie zum Beispiel das Vorlesen einer Geschichte vor dem Schlafengehen, Anhaltspunkte für erwünschtes Verhalten geben.
Klare Regeln aufstellen
Gerade Kinder mit ADHS benötigen klare und verlässliche Regeln im Alltag. Diese geben ihnen Orientierung und Sicherheit.
Stellen Sie deshalb gemeinsam einige Regeln auf, an die sich alle halten. Das hilft Ihrem Kind, Disziplin zu lernen.
Stärken des Kindes erkennen
In einem Alltag voller Streit und Zurechtweisungen fällt es Eltern schwer, die positiven Eigenschaften ihres Kindes zu erkennen. Umso wichtiger ist es, sich dessen bewusst zu werden und immer wieder die Perspektive zu wechseln.
Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, welche Stärken es hat, und fördern Sie diese. Das gibt Ihrem Kind Kraft und Mut, in schwierigen Zeiten positiv zu bleiben.
Loben Sie ihr Kind
Da Kindern mit ADHS das Einhalten von Regeln schwerfällt, ist es besonders wichtig, sie zu loben, wenn es ihnen gelingt, eine geforderte Aufgabe zu Ende zu bringen.
Reizsignale beachten
Wenn Sie merken, dass Ihr Kind in einer Situation überfordert ist, unruhig wird oder gar die Beherrschung verliert, ist es hilfreich, eine Pause einzulegen. Verlassen Sie dazu beispielsweise gemeinsam mit Ihrem Kind den Raum.
Wenn Sie auf solche Hinweise im Alltag achten, können Sie erkennen, welche Situationen und Reize das problematische Verhalten Ihres Kindes auslösen. Wichtig ist, in einem ruhigen Moment das Gespräch mit dem Kind zu suchen und zu fragen, was der Auslöser für den ,,Wutanfall“ war.
Ein reizarmer Arbeitsplatz kann dem Kind helfen, sich besser zu konzentrieren. Das kann beispielsweise bedeuten, dass der Schreibtisch, an dem das Kind seine Hausaufgaben macht, nicht am Fenster steht, damit es nicht abgelenkt wird.
Achten Sie auf ihre Sprache
Drücken Sie sich klar und deutlich aus. Wichtig sind kurze, aussagekräftige Sätze, damit Ihr Anliegen beim Kind wirklich ankommt.
Reagieren Sie auf Äußerungen wie ,,Schule ist blöd“ mit echtem Interesse und Einfühlungsvermögen. Versuchen Sie durch kluges Nachfragen und Zuhören herauszufinden, was Ihr Kind wirklich stört.
Anstatt Ihrem Kind Schuldzuweisungen wie ,,Nie machst du deine Hausaufgaben rechtzeitig fertig“ zu machen, erklären Sie ihm ruhig, wie Sie sich fühlen: ,,Ich ärgere mich darüber, dass du deine Hausaufgaben nicht rechtzeitig fertig machst (Was können wir tun, damit du rechtzeitig damit fertig wirst?“).
Konsequent auf negatives Verhalten reagieren
Zunächst müssen Sie Regeln aufstellen und Ihrem Kind diese erklären, bis es sie verstanden hat. Das heißt nicht, dass Ihr Kind die Regel gut finden muss.
Wenn das Kind gegen eine Regel verstößt, ist es wichtig, unmittelbar und konsequent zu reagieren. So wird vermittelt, welches Verhalten unerwünscht ist und dass ein Regelverstoß Konsequenzen hat.
Durch konsequentes Reagieren lernt das Kind, sein Benehmen anzupassen, und dass Regeln nicht durch Diskussionen außer Kraft gesetzt werden können.
Wichtig: Ihre Reaktion sollte bei einem Regelbruch stest angemessen und für das Kind nachvollziehbar sein.
Geduld und Toleranz haben
Versuchen Sie, verständnisvoll mit den Besondernheiten Ihres Kindes umzugehen. Erzwingen Sie nichts, wenn etwas nicht so läuft, wie Sie es sich erhoffen. Das würde nur unnötigen Druck aufbauen und könnte dazu führen, dass Ihr Kind mit Trotz reagiert.
Wenn Sie merken, dass Sie die Beherrschung verlieren, verlassen Sie den Raum und lösen Sie das Problem zu einem späteren Zeitpunkt. Wichtig ist, dass Sie ankündigen, den Raum zu verlassen, damit sich Ihr Kind nicht ignoriert fühlt.
Denken Sie auch mal an sich
Der Alltag mit einem Kind mit ADHS kann sehr kräftezehrend sein. Daher ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßig Auszeiten gönnen.
Kinder mit ADHS benötigen eine feste Bezugsperson und müssen immer genau wissen, wer für das zuständig ist. Dennoch ist es sinnvoll, die Aufgaben und die Erziehung auf mehrere Personen zu verteilen.