Ankommen und Zusammenleben mit dem Pflegekind
Tipps für einen sanften Start
Nun ist es an der Zeit, sich auf die Ankunft des Pflegekindes vorzubereiten. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass das Kind mit seiner individuellen Vorgeschichte, einem breiten Spektrum an Gefühlen, Hoffnungen und möglicherweise auch Ängsten zu Ihnen kommt. In diesem Beitrag finden Sie praxisnahe Tipps für die ersten Wochen sowie Mutmacher für die Entscheidung, Pflegefamilie zu werden.

Ankommen sensibel begleiten

Den Einzug sorgfältig und ruhig gestalten.
Ein kleines Willkommensritual unterstützt dabei, Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln (Beispiele: Namensschild an der Zimmertür, Lieblingsessen, Kuscheltier).
Geben Sie dem Pflegekind ausreichend Zeit, sich zu orientieren und die etablierten Routinen sowie die geltenden Familienregeln kennenzulernen.
Struktur und Sicherheit geben
- Geben Sie dem Pflegekind die Möglichkeit, sein eigenes Zimmer mitzugestalten.
- Vermeiden Sie in den ersten Tagen und Wochen ein volles Haus, laute Geräusche und neugierige Besucher, um das Pflegekind nicht zu verunsichern.
Vorgeschichte des Pflegekindes immer im Hinterkopf behalten
- Es ist in Ordnung, wenn Pflegekinder über ihre Familie sprechen möchten. Trotz der Geschehnisse ist es möglich, dass Pflegekinder ihre leiblichen Eltern lieben.
- Beantworten Sie Fragen wie „Warum bin ich hier?“ oder „Wann sehe ich Mama wieder?“ offen, aber kindgerecht. Wählen Sie eine passende Formulierung, z. B.: „Du wohnst jetzt eine Zeit lang bei uns.“ Vermeiden Sie Sätze wie „Wir sind jetzt deine Eltern.“
Bindung aufbauen

- Vermeiden Sie persönliche Betroffenheit, wenn das Pflegekind keine emotionalen Reaktionen zeigt, sich zurückzieht oder abwehrend reagiert. Diese Verhaltensweisen drücken Unsicherheit aus und dienen dem Selbstschutz.
Leibliches Kind nicht vernachlässigen
- Beziehen Sie alle Familienmitglieder von Anfang an in den Prozess ein. Besprechen Sie gemeinsam alle potenziellen Veränderungen und Herausforderungen.
- Für die Betreuung der leiblichen Kinder bleiben verlässliche Strukturen und exklusive Zeiten erforderlich.
Auf herausforderndes Verhalten mit Verständnis reagieren
- Vermeiden Sie Provokationen. Bewahren Sie in aufgeladenen Momenten Ruhe.
- Lernen Sie, bewusst Blickkontakt und Nähe zu nutzen.
- Geben Sie Familienmitgliedern ausreichend Zeit, sich in der Pflegefamilie einzuleben und ihren Platz zu finden.
- Lassen Sie Emotionen zu. In jeder Familie erleben die Mitglieder unterschiedliche Zustände wie Lachen, Weinen, Streit und Versöhnung.
- Holen Sie bei schwerwiegenden Konflikten frühzeitig professionelle Unterstützung. Freie Träger wie das Netzwerk-SFL bieten kostenlose Beratung, Begleitung, Supervision und Fortbildung an.
Kontakt mit der leiblichen Familie
- Pflegeeltern sollten sich bei der Aufnahme von Besuchskontakten stets neutral und offen verhalten.
- Bereiten Sie Besuchskontakte sorgfältig vor und nach. Klären Sie vorab: Wer ist dabei? Wo findet der BK statt?
- Falls das Kind nach dem Besuch auffällig aufgewühlt ist, bieten Sie Gespräche an und geben Sie Raum für einen Rückzug.
- Achten Sie bei der Biografie-Erstellung auf die Herkunft des Kindes (Fotos, Erinnerungsstücke, Briefe etc.).
Geduld und Zeit
- Pflegeeltern müssen keine perfekten Idealvorbilder sein, aber eine verlässliche und konsistente Betreuung gewährleisten.
- Seien Sie sich selbst und Ihrem Pflegekind gegenüber nachsichtig.
- Erwarte keine schnelle Nähe oder Dankbarkeit; der Aufbau einer echten Bindung braucht Zeit und Geduld.