Fachberater berichten anonym

Ein wesentlicher Bestandteil unserer Tätigkeit ist die kontinuierliche Begleitung der Pflegekinder in ihren neuen Familien. Im Folgenden finden Sie einen anonymisierten Entwicklungsbericht, der die Entwicklung eines unserer Pflegekinder veranschaulicht.

Tag 1

Inobhutnahme

Es findet eine Inobhutnahme statt. Das Kind weist eine Entwicklungsverzögerung in der Sprache sowie in der altersgemäßen Selbstständigkeit auf.
Zudem zeigt es ausgeprägte Traumata. Es hat täglich mit Alpträumen und Angstzuständen zu kämpfen. Aufgrund seiner geringen Impulskontrolle hat es massive Schrei- und Wutanfälle. In dieser Situation ist das Kind extrem schnell überreizt und kaum regulierbar.

Die ersten Wochen

Das Kind hat in seiner leiblichen Familie keine Kita besucht. Die Eingewöhnung in die Kita war anfangs nur durch die enge Begleitung der Erziehungsstelle möglich.
Aufgrund ständiger Konflikte ist ein sozialer Kontakt zu Gleichaltrigen kaum möglich.

Die ersten Monate

Das Kind macht deutliche Fortschritte in seinem Sozialverhalten. Zwar neigt es weiterhin zu schneller emotionaler Überregung, lässt sich im Vergleich zur Anfangszeit jedoch wesentlich schneller durch die Erziehungsstelle besänftigen.

Nach einigen Jahren

Der Übergang in die Regelgrundschule ist erfolgreich verlaufen. Das Kind zeigt eine gute Lernbereitschaft und beginnt, leistungsbezogene Ängste (z. B. Prüfungsangst) aktiv zu überwinden.
Es hat sich fest in das soziale Gefüge der Großfamilie integriert. Es interessiert sich für intellektuelle Herausforderungen, zum Beispiel für das Schachspielen und das Lösen von Rätseln. Außerdem betreibt es verschiedene Sportarten, die seine Körperwahrnehmung und Disziplin stärken. In seiner Freizeit genießt das Kind handwerkliche Tätigkeiten.

Aktueller Stand in der Erziehungsstelle

Die Erziehungsstelle bietet dem Kind einen stabilen und wertschätzenden Rahmen, in dem seine Reflexionsfähigkeit durch stetigen Dialog gefördert wird.
Das Kind hat sich von einem hochgradig traumatisierten, kaum gruppenfähigen Kleinkind zu einem lernbereiten und im Familiensystem verankerten Schüler entwickelt. Die engmaschige, sensible Betreuung durch die Erziehungsstelle ermöglicht es dem Kind trotz vorhandener Auslöser, zunehmend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.