Fachberater berichten anonym

Ein wesentlicher Bestandteil unserer Tätigkeit ist die kontinuierliche Begleitung der Pflegekinder in ihren neuen Familien. Im Folgenden finden Sie einen anonymisierten Entwicklungsbericht, der die Entwicklung eines unserer Pflegekinder veranschaulicht.
Tag 1
Inobhutnahme
Das Pflegekind wird in der Erziehungsstelle aufgenommen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme befindet es sich in einem hochbelastenden körperlichen und emotionalen Zustand. Es wirkt blass, untergewichtig und wenig vital. Deutliche Hinweise auf eine erhebliche psychosoziale Vorbelastung sowie eine Entwicklungsverzögerung in mehreren Bereichen zeigen sich.
Die ersten Wochen
Psychosoziale Erstannahme
Das Pflegekind zeigt sich stark verunsichert, ängstlich und innerlich hoch angespannt. In neuen oder überfordernden Situationen reagiert es mit ausgeprägtem Rückzugsverhalten und deutlichem Zittern. In Belastungssituationen hebt es schützend die Hände über den Kopf und schreckt bei schnellen Bewegungen oder lauten Geräuschen zusammen. Es macht verbale Äußerungen über körperliche Gewalt, die es scheinbar erfahren hat. Die Stressreaktionen lassen auf eine mangelnde innere Sicherheit und eine dauerhaft erhöhte Alarmbereitschaft schließen. Gleichzeitig zeigt es eine ausgeprägte Distanzlosigkeit und sucht unselektiv körperliche Nähe. Eigene Schutzgrenzen sind nicht vorhanden, ebenso wenig wie ein altersangemessenes Nähe-Distanz-Empfinden.
Die ersten Monate
Stabilisierungsphase – Interaktion mit den Pflegeeltern
Dank der verlässlichen Tagesstruktur, der festen Rituale und der konstanten emotionalen Zuwendung beginnt das Kind, die Erziehungsstelleneltern als sichere Bezugspersonen wahrzunehmen. Er spricht sie frühzeitig mit „Mama“ und „Papa“ an. Dies weist auf ein starkes Bindungsbedürfnis und den Wunsch nach Zugehörigkeit hin.
Die Grundanspannung nimmt allmählich ab. Das Kind wirkt weniger schreckhaft und kann sich in ruhigen Situationen besser entspannen. Es wird lebendiger, beginnt aktiv zu spielen, zu toben und sich körperlich auszuprobieren.
Gleichzeitig werden deutliche kognitive Besonderheiten sichtbar. So ist das Kind beispielsweise sehr vergesslich und kann sich trotz Wiederholung nur schwer Namen und Inhalte merken.
Das Schlafverhalten stabilisiert sich schrittweise. Das Kind schläft häufiger selbstständig ein und benötigt nachts weniger Nähe. Die Angst vor Dunkelheit nimmt ab. Das Essverhalten reguliert sich und es nimmt sichtbar an Gewicht zu, wodurch es insgesamt körperlich stabiler wirkt.
Es beginnt, sich aktiv ins Familienleben einzubringen, und sucht gezielt den Kontakt zu Pflegegeschwistern. Es zeigt Freude an gemeinsamen Aktivitäten.
Aktueller Stand in der Erziehungsstelle
Das Pflegekind hat sich von einem hochängstlichen und emotional stark belasteten Kind zu einem lebendigen und kontaktfreudigen Kind entwickelt, das deutlich stabiler ist. Es fühlt sich in der Erziehungsstelle sicher, angenommen und dazugehörig.

Überlegen Sie, ob Sie eine Erziehungsstelle werden und einem Kind ein liebevolles Zuhause bieten möchten. Wenn ja, füllen Sie unser Bewerbungsformular aus und vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch mit uns.